Expertenspiele

Umfangreiches Regelwerk


Die Anfänge der Brettspiele reichen einige Tausend Jahre in der Zeitgeschichte zurück. Zu Beginn basierten Gesellschaftsspiele auf einfachen Regelwerken, die sich auf Würfelsysteme oder vergleichsweise simple Zugmechanismen stützten. Mit der Erfindung der militärischen Planspiele im 19 Jahrhundert, quasi dem Vorgänger der heutigen Table-Top-Games, wurden Brettspielern immer mehr taktische Aktionen eingeräumt. Regelwerke wurden umfangreicher, Spielzüge komplexer und Spielpartien länger. Die Abläufe in einem Expertenspiel werden grundsätzlich auch über ein entsprechend dickes Regelbuch erläutert. Dabei ist allerdings nicht nur die Erfahrung im Umgang mit Brettspielen wesentlich, sondern auch das Maß an Geduld, das für die Einarbeitung in neue Spiele aufgewendet werden muss. Brettspiel-Veteranen fällt es sichtlich leichter, sich in neue Spielsysteme einzufinden, denn nur die wenigsten Spieleautoren erfinden das Rad neu. Oftmals kehren bewährte Regeln in veränderter Form zurück: Gut ist, was erfolgreich war.

Erfahrene Brettspieler greifen auf das fundierte Regelwissen zurück und haben eigene Techniken entwickelt, um sich möglichst effektiv in unbekannte Brettspielkonzepte einzuarbeiten. Familien- oder Kinderspiele arbeiten dagegen ebenso mit allgemeinverständlichen Regeln wie Brettspiele, die sich an reine Gelegenheitsspieler wenden.

Auf ein unzählige Seiten umfassendes Regelwerk können Verlage heutzutage glücklicherweise verzichten. Internetvideos und Let’s Plays bringen selbst Anfängern komplexe Regeln auf unterhaltsame Weise und leicht verständlich näher. Die Grenze zwischen Experten-Brettspiel und Normalo-Brettspiel verschwimmt dadurch zunehmend.

Trotzdem bleiben Expertenspiele kleine Herausforderungen. Wer sich schon einmal in Spiele der Ctulhu-Reihe oder einen TabletTop-Hybriden eingearbeitet hat, ohne direkt auf Videos zurückzugreifen, der weiß was Komplexität bedeuten kann.

Bei aller Unterscheidung müssen auch Expertenspiele unterhaltsam sein. Die Entwicklung von Experten-Brettspielen orientiert sich derzeit eher am Grundsatz „Easy to learn, hard to master“. Komplexe Spiele bringen Neulingen zunächst auf leicht nachvollziehbare Weise die Grundregeln bei, um diese dann schrittweise um weitere Spielaktionen zu erweitern. Die Erfahrung von Brettspielern kommt dann zum Tragen, wenn es darum geht effiziente Spielstrategien zu entdecken und auf die unterschiedlichen Spielsituationen anzuwenden. Diese Entwicklung ist durchaus zu begrüßen, denn Brettspieler sind von Natur aus gesellig und auch Profis spielen liebend gern mit Einsteigern zusammen. Ein Glück also, dass kooperative Brettspiele ziemlich trendig sind – so bekommen Frischlinge nicht nur auf die Mütze.

Quelle: Spielpunkt